So läuft die Ausbildung

Du bist dir also sicher, was du werden willst: Ausbildung Metallbauer, Fachrichtung Konstruktion. Klingt auf den ersten Blick kompliziert – doch was dich in deiner Ausbildungszeit erwartet, hat uns Christian Krause erklärt. Der Mann, der es wissen muss, schließlich ist er der zuständige Referent für Berufsbildung beim Bundesverband Metall (BVM).

Christian Krause

„Die Ausbildung zum Metallbauer dauert 3 ½ Jahre“, weiß Christian Krause. „Wer die Fachoberschulreife hat, kann die Lehrzeit aber um sechs Monate verkürzen. Hat ein Azubi schon die Fachhochschulreife, das Abi, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ist älter als 21, dann sind sogar zwölf Monate möglich.“

40 Prozent der Lehrzeit verbringen die Auszubildenden in der Berufsschule oder bei überbetrieblichen Schulungen. Die restlichen 60 Prozent der Arbeitszeit bist du in deinem Betrieb, also entweder in der Werkstatt, auf einer Baustelle oder auch am PC.

Dein Betrieb macht die Musik

Was du als Lehrlinge während deiner Lehrzeit genau machst, hängt von dem Betrieb ab, in dem du arbeitest. Wer bei einem Balkonbauer lernt, führt etwas andere Tätigkeiten aus als ein Azubi in einem Betrieb, der auf Tore oder Rahmen für Riesen-Fernsehbildschirme, auf Filmkulissen oder Zäune spezialisiert ist. Was die Ausbildung in allen Betrieben gemeinsam hat, ist der Ausbildungsrahmenlehrplan. Er dient deinen Ausbildern als Leitfaden, welche Kenntnisse und Tätigkeiten sie dir in welchem Lehrjahr mindestens vermitteln müssen.

Sicherheit geht vor

„Am Anfang sind vor allem Sicherheitsvorschriften wichtig“, stellt Christian Krause klar. Denn im Umgang mit Maschinen und schweren Teilen ist einiges zu beachten. „Im ersten Lehrjahr müssen die Azubis mit den Arbeitsabläufen und dem Aufbau der Betriebe vertraut werden. Fügen, manuelles Spanen, Umformungen und die Herstellung kleinerer Bauteile eignen sich ebenfalls für das erste Lehrjahr.“

Fügen kann zum Beispiel bedeuten, zwei Stahlplatten miteinander zu verschrauben oder zu verkleben. Klingt einfach, ist aber in der Umsetzung oft komplizierter als gedacht. Manuelles Spanen heißt, mithilfe von Muskelkraft und Werkzeug Teile des Materials abzutragen, so dass eben Späne fallen. Du arbeitest zum Beispiel mit Feilen oder Sägen. Umformen bedeutet, ein sogenanntes Halbzeug so zu verformen oder zu verbiegen, wie man es eben braucht. „Halbzeug“ nennt man das Ausgangsmaterial übrigens vor der Weiterverarbeitung, Stahl bekommt man nämlich meistens in Form von Stangen, Rohren oder Blechen mit verschiedenen Querschnitten, die dann eben Halbzeuge heißen.

Alles muss genau passen

Qualitätsmanagement steht für Lehrlinge im ersten Lehrjahr ebenfalls auf dem Programm. Sind die Bohrungen an der richtigen Stelle, passt der Winkel, stimmen die Abstände? Sieht die Schweißnaht gut aus, wurde nichts vergessen? Fehler- und Ursachensuche will gelernt sein.

Zu den klassischen Lehrlingsarbeiten zählt gerade am Anfang auch die Reinigung, Pflege und Instandhaltung von Werkzeugen und Maschinen. Dabei kannst du die Funktionsweise der einzelnen Maschinen und Werkzeuge kennenlernen. Beispiele hierfür sind das Nachfüllen von Kühlflüssigkeit, das Schmieren von Maschinenkomponenten oder das Entfernen von Metallspänen.

„Im zweiten Lehrjahr geht es dann schon an die komplexeren Bauteile“, erklärt Christian Krause. Der Ausbildungsplan schlägt für das zweite Lehrjahr zum Beispiel Schweißen und thermisches Trennen vor. Letzteres ist sozusagen das Gegenteil von Schweißen, wo man ja (vereinfacht) zwei Metallteile und Schweißdraht durch einen Lichtbogen so weit erhitzt, dass alle drei teilweise miteinander verschmelzen.

Für thermisches Trennen nimmst du zum Beispiel einen Schneidbrenner. Mit dem erhitzt du Bauteile wie Blechplatten so lange, bis die Flamme das Metall schmilzt und förmlich hindurchschneidet. Die Behandlung und der Schutz von Metalloberflächen vor Korrosion, also Rost, sind ebenfalls ein großes Lernfeld. Verzinken, Pulverbeschichten, Lackieren oder Wachsen, jede dieser Methoden hat ihre Vor- und Nachteile, die du nach und nach kennen- und einsetzen lernst.

Verantwortliche Tätigkeiten

Im dritten und vierten Lehrjahr arbeiten sich die Lehrlinge schon langsam an den Status eines Gesellen heran. „Lesen und Anwenden von Bauzeichnungen, Kommunikation mit dem Kunden, Montagen und Demontagen gehören zu den Arbeiten, in die die Lehrlinge in den ersten drei Lehrjahren langsam hineinwachsen“, erläutert Christian Krause.

Idealerweise schnupperst du in dieser Zeit auch in die Elektrotechnik, Pneumatik und Hydraulik hinein. Elektrische Torantriebe zum Beispiel musst du nicht selber bauen können, aber als Geselle solltest du die dazugehörigen Pläne lesen und prüfen können, ob alles richtig funktioniert. Pneumatisch sind übrigens alles Bauteile, die mit Luftdruck bewegt werden, Luftschmiedehämmer zum Beispiel. Hydraulisch ist so ähnlich, nur funktioniert die Kraftübertragung hier über Flüssigkeiten, die zusammengepresst werden und sich wieder ausdehnen. Dieses System steckt meistens dahinter, wenn sich eine Radladerschaufel oder ein Gabelstapler bewegt.

Um die Lerninhalte für dich festzuhalten, aber auch, um zu bestätigen, dass du ordnungsgemäß ausgebildet worden bist, führst du während der Lehrzeit ein Berichtsheft. „Der Ausbildungsnachweis darf mittlerweile auch digital sein“, weiß Christian Krause. „Neben einem wöchentlichen Kurzbericht, in dem der Azubi stichpunktartig protokolliert, was er gemacht hat, gehören dazu auch mehrere Fachberichte und -zeichnungen.“ Wenn du während der Ausbildung zum Beispiel einen Tisch baust, kannst du darüber einen Fachbericht schreiben. Hierzu gehört eine Liste der Bauteile, die du verwendest, und eine mit den Arbeitstechniken, die du anwendest. Außerdem schreibst du noch eine kurze Erklärung, wie du vorgegangen bist.

Überbetriebliche Schulungen

Insgesamt gibt es für Metallbauer der Fachrichtung Konstruktion 14 überbetriebliche Schulungen. In solchen Kursen lernst du zum Beispiel Schweißen. Die Schulungen dauern zwischen ein und zwei Wochen. Welche davon die Lehrlinge für die Zulassung zur Prüfung brauchen, hängt auch davon ab, wo sie lernen: „In den meisten Bundesländern gibt es fünf bis sechs feste Lehrgänge, die alle absolvieren“, erklärt Christian Krause. „Grundlagen der Metallbearbeitung, Fügen und Richten (Metall-Schutzgasschweißen-MAG) und Grundlagen der Elektrotechnik sind meistens dabei.“

Die Gesellenprüfung

Die Gesellenprüfung ist in zwei Teile aufgegliedert. Teil eins machst du im zweiten Lehrjahr. Du bekommst einen Bauplan und Material und solltest daraus ein funktionierendes Werkstück machen. Das kann ein kleiner Schraubstock, ein Türriegel oder ein spezieller Handyhalter sein. Zur Prüfung gehören auch ein mündlicher Teil in Form eines Fachgespräches, in dem du mit den Prüfern über das Werkstück sprichst, das du angefertigt hast. „Der erste Teil macht ungefähr 30 Prozent des Gesamtergebnisses aus“, weiß Christian Krause.

Teil II findet am Ende der Lehrzeit statt. Auch hierzu gehört die Ausführung von zwei imaginären Kundenaufträgen und ein Fachgespräch. Außerdem gibt es schriftliche Prüfungen in Konstruktionstechnik, Wirtschafts- und Sozialkunde.

Wenn du das geschafft hast, bekommst du einen offiziellen Gesellenbrief verliehen und darfst als Geselle arbeiten.

Deine Fähigkeiten

„Was du mitbringen solltest, sind handwerkliches Geschick, mathematisches Verständnis und Teamfähigkeit“, sagt Christian Krause. „Bei der Wahl des Ausbildungsbetriebes ist übrigens nicht entscheidend, wie groß der Betrieb ist. Wichtig ist vor allem, dass man sich dort wohl fühlt und ein gutes Gefühl hat. Vielleicht kennst du jemanden, der dort arbeitet oder schon mal mit dem Betrieb zu tun hatte? Was bei der Wahl auf jeden Fall hilft, ist ein Praktikum oder zumindest ein Probetag.“