Dritte Generation im Familienbetrieb

Von Kindesbeinen an ist Lisa Wölz im elterlichen Betrieb umhergeturnt. Jetzt bereitet sich die 27-Jährige darauf vor, einen 140 Mitarbeiter starken Betrieb zu übernehmen. Ein Gespräch über familiäre Erwartungen, mentalen Druck und die Frage, wie man sich auf so eine Herausforderung vorbereiten kann.

Lisa gibt lachend zu: „Ja, die Firma war bei uns am Essenstisch immer Gesprächsthema.“ Aber dass sie mit dem Metallbau-Betrieb, den ihr Großvater 1975 gegründet hat, aufgewachsen ist, hat für sie eines nicht bedeutet: den Zwang, ihr Leben danach auszurichten. „Meine Eltern haben mir immer alle Türen aufgehalten.“ Und so kam es, dass Lisa ihre Liebe fürs Technische erst ziemlich spät entdeckte. Davor bedurfte es nach dem Abitur einer kurzen Reise in die Welt der Sprachen, bis der 27-Jährigen klar wurde: Zahlen und Konstruktionen liegen ihr deutlich mehr im Blut.

Steckbrief

  • Lisa Wölz
  • Bauingenieurin
  • Wölz Metallbau
  • www.metallbau-woelz.de

Ihre Idee, Bauingenieurwesen zu studieren, kam für die Eltern ziemlich überraschend. Aber dass bei Lisa der Wunsch reifte, sich einmal im Betrieb einzubringen, freute alle in der Familie sehr. Zum einen, weil die Firma damit eine innerfamiliäre Zukunftsperspektive bekommen hat, zum anderen aber auch, weil die Familie gerne zusammenarbeitet und miteinander Zeit verbringt. Klar ist für Lisa jedoch auch, dass sie diesen Schritt nicht gegangen wäre, wenn er ihr keine Freude bereiten würde: „Ich muss damit leben und jeden Tag damit füllen. Ich mache das wirklich, weil ich hier sein will.”

Mit Großvater, Vater, Lisa und ihrem jüngeren Brüder sind jetzt drei Generationen im Unternehmen tätig. Das gibt Lisa die Möglichkeit, langsam immer mehr Unternehmensbereiche kennenzulernen und neue Aufgaben zu übernehmen. Aber wie bereitet man sich eigentlich auf eine solche berufliche Zukunft vor?

Studium zur Bauingenieurin

Bis 2017 hat Lisa in Augsburg Bauingenieurwesen studiert und ist im Anschluss in die Firma eingestiegen. Ihre erste Station war für etwa zwei Jahre die Konstruktions- und Planungsabteilung. Von März 2018 bis März 2019 absolvierte sie eine weitere Fachausbildung am Institut für Fenstertechnik in Rosenheim zum Fachingenieur für Fenster und Fassaden. Und weil ihr die betriebswirtschaftlichen Aspekte im Studium noch zu kurz kamen, besucht sie aktuell einen Vollzeitkurs bei der IHK zum technischen Betriebswirt. Anfang 2020 möchte sie dann wieder in die nächste Station im Betrieb einsteigen und die Buchhaltung kennenlernen. Schließlich sei theoretisches Wissen zwar unabdingbar, erklärt sie, aber „Theorie und Praxis sind halt doch nochmal zwei völlig unterschiedliche Stiefel. Vielleicht sitze ich in einem halben Jahr hier und sage: Juhu Buchhaltung. Die Möglichkeit besteht zumindest theoretisch. Praktisch wird das dann wohl eher anders aussehen.“

Ewartungen an sich selbst

Wenn man sich mit dem Thema Betriebsnachfolge beschäftigt, ist das Thema „Erwartungshaltung“ wohl eines der konfliktgeladensten. Lisa nickt, als ich sie frage, ob sie Druck und Erwartungshaltung kennt, doch anders, als man es als Außenstehender vermuten würde, kommt dieser Druck nicht von anderen. „Die Erwartungshaltung kommt von niemand anderem als mir. Es ist die Firma, die mein Großvater und mein Vater führen, und da will ich natürlich nichts in den Sand setzen.“

Auch, dass viele langjährige Mitarbeiter sie noch als kleines Mädchen kennen, hat sie beschäftigt. „Ich glaube schon, dass ich genauer beobachtet werde, was irgendwo auch verständlich ist. Aber ich wollte nie eine Sonderbehandlung. Ich kann nichts dafür, dass ich die Tochter meines Vaters bin, das ist Glück und kein Können. Deshalb ist es mir auch wichtig, dass ich nicht als etwas Besonderes betrachtet werde. Ich kriege genauso meinen Rüffel, wenn irgendetwas schiefläuft, wie jeder andere.“

“Ich wünsche mir, dass sich mehr Frauen für technische Berufe begeistern. Wir brauchen starke Vorbilder, weil es gerade im Handwerk immer noch zu viele Klischees und Vorurteile gibt.”

Die Finger schmutzig machen

Dass Lisa sich überhaupt nicht zu schade ist, mal so richtig mit anzupacken, sorgte bei den Jungs und Mädels in der Halle für den nötigen Respekt und bei Lisa für verklebte Finger. „Ich bin ein bisschen mit dem Metallkleber auf Kriegsfuß gestanden. Ich war dann immer von oben bis unten mit schwarzem Kleber voll, der nicht mehr aus Kleidung oder von Fingernägeln runter geht“, erzählt sie lachend. Trotzdem macht ihr die produktive Arbeit in der Halle richtig Spaß, schließlich kann man am Ende des Tages handfeste Ergebnisse sehen.

Metall als Werkstoff mag sie besonders, weil es ein so wandelbarer Werkstoff ist, mit dem sich unterschiedlichste Oberflächen und Konstruktionen verwirklichen lassen.

Frauen im Handwerk

Was würde Lisa gerne am Metallbau ändern? Die Antwort kommt prompt: „Mehr Frauen in die Technik!“ Lisa findet es schade, dass Metallbau immer noch mit so vielen Klischees belegt ist und als Männerberuf gilt. Und sie ist auch aktiv dabei, um das zu ändern. Dieses Jahr hat Wölz Metallbau wieder am Girls Day mitgemacht, und auch sonst setzt sich Lisa für eine enge Zusammenarbeit mit Schulen ein, um mehr Frauen fürs Handwerk zu begeistern.

Der vertrauensvolle Umgang mit den Mitarbeitern ist ihr sehr wichtig, da ist sie auf einer Linie mit Vater und Großvater. Schließlich soll Gewinnmaximierung niemals zu Lasten der Mitarbeiter gehen. So stehen die Türen der Geschäftsführung für alle Mitarbeiter stets offen, und man berät sich gemeinsam, damit jeder die passende Position im Unternehmen findet.

Bei so viel Zusammenarbeit mit der Familie muss man doch einen Familien-Überdruss bekommen, denke ich mir. Aber Lisa sieht das anders. „Ich finde, dass es eher neue Anknüpfungspunkte und Themen gibt, über die ich mich jetzt mit meinem Vater unterhalten kann. Wir müssen schon aufpassen, dass negative Dinge im Privaten außen vor bleiben.” Und ganze im Sinne starker Frauen, muss dann eben auch mal die Mama sagen: „Jetzt reicht‘s. Jetzt reden wir über Privates.“

Foto: MEINMetall; Wölz Metallbau